Film ab für Demokratiebildung im Kino!
Während über Social-Media-Verbote und Altersgrenzen diskutiert wird, gerät ein anderes kindheitsprägendes Medium leicht aus dem Blick: das Kino.
Zwar verbringen junge Menschen inzwischen durchschnittlich 109 Minuten täglich auf Streaming-Plattformen wie Netflix, Disney+, Amazon Prime und YouTube (JIM-Studie 2025https://mpfs.de/studie/jim-studie-2025/). Doch gerade Kinder und Jugendliche gehen weiterhin vergleichsweise häufig ins Kino: 69 Prozent der 6- bis 9-Jährigen und rund 77 Prozent der 10- bis 14-Jährigen waren 2025 mindestens einmal dort (FFA-Erhebung 2026https://www.ffa.de/files/dokumentenverwaltung/studien%20mafo/2026/FFA_Kinobesucher_innen_2025.pdf). Jüngere Kinder besuchen das Kino vor allem mit ihren Familien, Jugendliche häufiger mit Freund:innen. Hinzu kommen Filmvorführungen im schulischen Kontext, deutlich seltener dagegen Angebote der außerschulischen Jugendbildung. Trotz steigender Ticketpreise bleiben junge Menschen damit eine wichtige Zielgruppe der Filmindustrie. Allein der dritte „Checker Tobi“-Film zog innerhalb weniger Wochen rund 700.000 Menschen in die Kinosäle. Aber was hat das mit zu tun?
Eine ganze Menge. Kino ist ein öffentlicher Ort, an dem gesellschaftliche Fragen und Konflikte sichtbar werden: soziale Ungleichheit, Rassismus, Geschlechterrollen, Krieg, Flucht, Klimakrise, Familie, Macht oder Gerechtigkeit. Im Kinosaal sitzen Kinder und Jugendliche nebeneinander, die sich nicht kennen müssen. Sie lachen, erschrecken, schweigen und reagieren gemeinsam. Geschichten werden hier nicht allein auf dem eigenen Bildschirm konsumiert, sondern mit anderen erlebt.
Darin liegt demokratiepädagogisches Potenzial. Demokratie bedeutet schließlich auch, einen gemeinsamen gesellschaftlichen Raum mit Menschen zu teilen, die andere Erfahrungen, Interessen und Überzeugungen haben. Filme ermöglichen Perspektivwechsel: Kinder und Jugendliche können die Welt aus der Sicht anderer junger Menschen, sozialer Gruppen oder Gesellschaften erleben. Das fördert Fähigkeiten, die demokratisches Zusammenleben braucht: Empathie, Ambiguitätstoleranz, Perspektivübernahme und die Anerkennung unterschiedlicher Interessen.
Entscheidend ist, was nach dem Abspann passiert. Aus individueller Wahrnehmung kann gemeinsame Auseinandersetzung werden: Wir haben dasselbe gesehen und trotzdem vielleicht etwas ganz Unterschiedliches wahrgenommen. Darüber lässt sich sprechen und streiten. Gerade Filme, die die Perspektiven junger Menschen zum Ausgangspunkt nehmen, schaffen zudem einen besonderen Reflexionsraum. Schwierige Fragen können zunächst mit Distanz verhandelt werden. Statt „Hast du erlebt?“ kann gefragt werden: „Warum wird diese Figur ausgeschlossen?“ Statt „Was würdest du tun?“ zunächst: „Warum handelt die Figur so?“ Fiktion ermöglicht es, politische und moralische Konflikte zu erkunden, ohne sofort die eigene Position offenlegen zu müssen.
Und schließlich ist kulturelle Teilhabe selbst ein Kinderrecht: Artikel 17 der UN-Kinderrechtskonvention unterstreicht die Bedeutung kindgerechter Medienangebote. sollte deshalb auch das Kino als gemeinsamen Erfahrungs-, Gesprächs- und Aushandlungsraum wieder stärker entdecken.
Es gibt zahlreiche renommierte Kinderfilmfestivals (z.B. „LUCAS“ in Frankfurt/Main, „Schlingel“ in Chemnitz oder die Sektion „Generation“ auf der Berlinale) mit eigenen Kinder-Jurys oder auch Portale und Organisationen, die besonders wertvolle Kinderfilme empfehlen und sich dafür in Politik und Gesellschaft einsetzen (z.B. der Bundesverband Kinder- und Jugendfilm oder FLIMMO).
Umfassendes Begleitmaterial gibt es auf https://www.kinofenster.de/https://www.kinofenster.de/, super ist auch die Seite der Kinderfilmuni https://kinderfilmuni.com/https://kinderfilmuni.com/.